24. Januar 2015

Kreativität und das Prinzip der Großzügigkeit

Freie Autoren sind nicht nur frei in ihrer Kreativität sondern auch in ihrer Preisgestaltung.
Deshalb gibt es unter ihnen auch immer wieder Diskussionen zu diesem Thema. Mancher schmäht die von Kollegen äußerst günstig gesetzten Preise oder Schnäppchenkampagnen, weil er glaubt, die Arbeit eines Autors werde hier unter Wert verkauft.
Die einen verteidigen dies als Marketingmaßnahme, die anderen verteufeln es als Verramschung einer wertvollen Leistung.
Einige verwechseln dabei Preis mit Wert, ein Unterschied, auf den schon Oscar Wilde hinweisen durfte. (Wozu hat der Kerl eigentlich keine Bonmots ausgespuckt?)
Ich kenne meinen Wert und den meiner Arbeit, und ich habe keine Angst, dass ich meine Bücher „unter Wert“ verkaufe. 
Ich mache keine Schnäppchenkamapagnen mehr zu 0,99 €.
Stattdessen drehe ich mich um und stelle meine Arbeit unter das Prinzip der Großzügigkeit. Dieser Ansatz wendet die Perspektive. Er ist nicht nur etwas, das ich ehrlich und aufrecht vertreten kann, ich bin sogar überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg (sprich: solcher der dich glücklich macht und andauert) nur durch Großzügigkeit zu erreichen ist. Großzügigkeit macht ein weites Herz, und sie lässt dich glücklicher leben.
Aber zurück zu den Preisen. Wie gesagt: Bei mir gibt es keine Bücher kurzfristig für 0,99 €. 
Ich mache bestimmte Bücher permanent günstig. 
Oder verschenke sie sogar.
Ich möchte es dem Leser leicht machen, zu versuchen, ob meine Geschichten etwas für ihn sind, ob die Welt von NINRAGON bzw. die verschiedenen miteinander verbundenen Erzählwelten, die man durch verschieden Tore unabhängig betreten kann, etwas sind, in dem er mit Vergnügen lesend versinken kann. Ob sie für ihn Faszination, Spannung und Anregungen bereithalten.
Das kann man zur Zeit zum Beispiel gratis mit den Bänden
Schrecken der Vorzeit
Drachenblut
Twilight Road.





Es gibt sie alle bei Amazon und auch in den üblichen Shops für alle anderen Reader als den Kindle, aber auch als gedrucktes Buch – da natürlich nicht kostenlos.
Wenn dem Leser die Geschichten gefallen, kann er mir für die (wunderbare) Arbeit, ihn zu unterhalten und ihm darüber hinaus vielleicht noch ein wenig mehr als bloße Unterhaltung zu geben, beim Lesen der weiteren Bände dafür Respekt entgegenbringen. Geld, die Bezahlung dafür, ist die materielle Ausfällung von Respekt.
Mein Prinzip ist es immer, dem einzelnen Leser, ein Vielfaches von dem zu geben, was er mir als Preis für das Buch zurückzahlt.
Das versuche ich bei meiner Arbeit immer im Blick zu halten. Gib dem Leser alles, was du ihm geben kannst. Halte nichts zurück.
Auch hier greift das Prinzip der Großzügigkeit. Sie macht einen essentiellen Faktor der Kreativität aus. Ohne Großzügigkeit gibt es keine wirkliche Kreativität.
So macht man Gewinn. So hat man Erfolg. 
Und ich rede da nicht in erster Linie vom materiellen.


Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen!

22. Dezember 2014

NINRAGON – Verlorene Hierarchien: Eine neue Ninragon-Serie geht an den Start


Manche Dinge bewegen sich in geheimnisvollen Kreisen.
Menschen kehren in ihrem Leben zu bekannten Situationen und Konstellationen zurück, aber sie haben sich seitdem gewandelt.
Geschichten gehen nicht verloren oder sind einfach zu Ende erzählt. Manchmal kehren sie in verwandelter Form wieder.
Auch die Mystiker kannten schon dieses Gesetz der Metamorphose und haben es in den unterschiedlichsten Formen beschrieben. Es ist Teil der unaufhaltsamen und positiven Entwicklung, der alle Dinge unterworfen sind.
Auch für mich gab es in der letzten Zeit eine Rückkehr zu Anfängen, nur unter neuen Voraussetzungen, das sich Schließen eines Kreises, das gleichzeitig eine Fortentwicklung bedeutet.
Das Ergebnis davon wird jetzt in der Form meiner neuen Serie „Verlorene Hierarchien“ für den Leser sichtbar und erlebbar.
Aber gehen wir zunächst zurück an einen Anfang. (Der auch eigentlich kein Anfang war sondern einfach nur ein markanter Punkt in einer kontinuierlichen Entwicklung.)

Im Dezember 1997 gab ich in den USA die Nullnummer der Urban-Fantasy-Comicserie „Shadow Reigns“ heraus. (Ich staune selber, während ich auf das Datum der Originalausgabe schaue, aber ja, tatsächlich: So lange ist es schon her. So schnell vergeht die Zeit.) Der erste Band trug den Titel „Renegade Soul“.
Vorher hatte ich einige Comics für amerikanische Verlage gezeichnet, bei denen andere Autoren für Geschichte und Texte verantwortlich zeichneten. Einige dieser Zusammenarbeiten waren sehr erfreulich, so zum Beispiel die Arbeit an dem Comic „Autum“, das zu einer bis heute anhaltenden engen Freundschaft zu einem der beiden Autoren Chris Dows führte. Er ist heute auch der Pate meiner Zwillingstöchter. 
Andere waren kommerziell erfolgreich aber problematisch. Bei einem Projekt musste ich stark erzählerisch eingreifen und die Handlung der ersten Bände verdichten, um der Geschichte eine spannendere Einführung zu bieten und den Leser schon mit dem ersten Band in die Story zu ziehen. Das Ergebnis war, dass der erste Band so gut verkauft wurde, dass der Verlag die Erscheinungsweise beschleunigte, so dass ich in der Zeichengeschwindigkeit einen persönlichen Rekord vorlegen und zwei Comic-Bände in einem Monat zeichnen musste.
Danach wollte ich dann aber endlich meine eigenen Geschichte nach meinem eigenen erzählerischen Geschmack gestalten.
Es spukten schon einige Motive und Erzählideen in meinem Kopf herum. In unserer Zeit sollte es spielen. In einer amerikanischen Großstadt. Es sollte Action mit Mystik verbinden.
Es war Urban Fantasy. Zu einer Zeit, wo dieses Genre gerade entstand und wo es noch nicht so sehr auf einen Kern von klar begrenzter Story-Mustern eingeschränkt war. Einige Leute schrieben damals sehr geniale Geschichten, aber es Urban Fantasy war noch nicht zu diesem großen, plakativen Untergenre geworden, das es heute ist.
So entstand „Shadow Reigns“.
(Und so entstand unter anderem eine Szene, die 1:1 im Film „Matrix“ der Brüder Wachowski abgebildet wurde. Die Wachowskis sind große Comic-Fans und haben sich ausdrücklich dazu bekannt, dass sie sich von den Ideen in Comics immer wieder gerne „inspirieren“ ließen. Aber das ist eine andere Geschichte.)
Als ich wieder mehr nach Deutschland zurückkehrte und mein Geburtsland stärker zu meinem Betätigungsfeld machte, erschien diese Serie unter dem Titel „Schattenreich“ gesammelt in drei Bänden und einer dicken, gebundenen, limitierten Gesamtausgabe.

Ein Sprung um einige Jahre und in ein anderes Medium.
Ich httee vor einiger Zeit schon beschlossen zunächst keine Comics mehr zu machen sondern Romane zu schreiben.
Ich hatte soeben beschlossen, dass mein nächstes Buch ein Fantasy-Roman sein sollte.
Wobei „beschlossen“ allerdings relativ ist, denn die ersten Zeilen und Absätze flossen vollkommen ungefragt aus mir heraus, waren plötzlich da.
„Sie fanden den Menschenmann, als die Sonne im Zenit stand.
Zuerst hielten sie ihn für tot, und wahrscheinlich würde er das auch bald sein, und all ihre Heilkunst und Arzneien, all ihre ‚elfischen‘ Bemühungen würden keinen Unterschied machen.“
So fing die Geschichte an. Dann kam ich an den Punkt, wo ich mir überlegen musste, um was es in dieser Geschichte ging, welche Protagonisten sie haben sollte und welche Namen sie trugen.
Beide Namen kamen aus meiner Vergangenheit zu mir. Der eine stammte aus meinen ersten schriftstellerischen Versuchen als Jugendlicher. Es war „Auric der Schwarze“, und er wurde zur Hauptfigur der Trilogie, die in der darauffolgenden Zeit entstehen sollte. Ab dem Punkt, wo ich ihn als Bild vor Augen hatte, entwickelte sich einiges in Verlauf der Geschichte ziemlich wie von selbst.
Genauso war es beim zweiten Protagonisten. Allerdings beschränkten sich in diesem Fall die Anleihen bei einer alten eigenen Geschichte nicht nur auf den Namen.
Ich beschloss, die Figur gleichen Namens im neuen Roman WAR dieselbe wie in meinem früher verfassten Comic. Nur zu einer wesentlich früheren Zeit. 
Das machte in meinen Gedanken den neuen Roman praktisch zur Vorgeschichte des viel früher entstandenen Comics.
Die Ninragon-Trilogie wurde geschrieben und mit ihr wuchs die Welt, in der sie spielte. Sie entwickelte sich über den Rahmen der Trilogie hinaus. Ich schmiedete Pläne für weiterführende Geschichten, fing einige davon an, entwarf sie und verwirklichte auch manches.
Die Welt von NINRAGON wuchs in die Zeit hinein.
Doch da war immer noch die Geschichte, von der alles ausgegangen war, die jetzt gewissermaßen einen Schlusspunkt im großen Storybogen bildete. Doch über all das Planen und Entwerfen war etwas mit ihr geschehen: Sie stimmte nicht mehr.
Die Ursprungsgeschichte, der Ausgangspunkt stimmte nicht mehr mit der Gesamtheit der Welt überein, die ich im Schaffensprozess entworfen hatte.
Als ich dann nach dem Roman „Homunkulus“ überlegte, was ich als nächstes schreiben sollte, gab es einiges an Plänen und Möglichkeiten. Unter anderem auch solche, die an die Handlung dieses Romans und der Trilogie anknüpften. Doch es drängte sich die alten Geschichte in den Vordergrund, der Ursprung, der Endpunkt. Bald wurde mir klar, dass ich diesen Eckpfeiler der Metageschichte von „Ninragon“ würde bewältigen müssen, bevor ich in anderer Richtung weiterging.
Und so machte ich mich an die Planung, die einige Zeit in Anspruch nahm. Denn es gab zu diesem Zeitpunkt schon eine Vielzahl von Schichten, die alle auf die endgültige Version der Geschichte gebracht werden mussten. Da war zum einen der Comic, dann aber auch noch ein erster Versuch ihn in einen Roman zu verwandeln. All das musste gesichtet (und wieder vergessen), auf eine essentielle, neue Form verdichtet werden, die dem Gesamtkosmos und dem anderen, neuen Medium entsprach.
Es hat sich in dieser Geschichte vieles verändert, muss ich im Rückblick sagen. Kaum ein Stein ist auf dem anderen geblieben. Der Kern der Geschichte ist jedoch erhalten geblieben.
Sie hat sogar einen neuen Titel bekommen.
In der Zeit nachdem die deutsche Version „Schattenreich“ veröffentlicht worden war, waren einige Projekt des gleichen Namens erschienen. Und obwohl ich der erste war, der eine Geschichte unter diesem Namen veröffentlicht hatte, entschloss ich mich, um Verwirrungen (und Rechtsstreitigkeiten) aus dem Weg zu gehen, der Geschichte einen neuen Namen zu geben.
So wurde aus „Shadow Reigns“ und „Schattenreich“ „Verlorene Hierarchien“.
Diese Geschichte die ein Eckstein des Ninragon-Kosmos ist und in der viele Stränge zusammenlaufen, erscheint jetzt endlich als Buch und eBook.
Aber keine Angst: Der Neueinsteiger wird all die Verbindungen kaum bemerken und ihr Wissen ist auch nicht für das Lesen und Verstehen erforderlich. Wir steigen in eine neue Geschichte mit neuen Personen ein. Ein Anfang, genau wie damals der Comic. Ein Vorwissen der anderen Geschichten aus dem Ninragon-Kosmos ist nicht erforderlich. Es wird wohl so sein, dass, wenn man von „Verlorene Hierarchien“ aus weiterliest und andere meiner Bücher verfolgt, viele Verbindungen auffallen und sich ergeben werden. Ich liebe es, den Leser mit den NINRAGON-Romanen auf eine Entdeckungsreise zu schicken. Doch für Leser die neu in diesem Reich sind, gibt es und wird es noch viele Türen geben, durch die man es ohne Vorwissen und Kenntnis der anderen Bücher betreten kann. „Verlorene Hierarchien“ ist eine dieser Türen.
Kehren wir zum Anfang des Kreises zurück. Die Nullnummer des Comics hieß „Renegade Soul“.
Und so ist es vielleicht nur angemessen, dass die Nullnummer der Roman-Reihe auch diesmal wieder einen englischsprachigen Titel trägt, den Namen einer Straße. Was auch wieder für Bewegung und Entwicklung steht. Charakteristischerweise ist es der Name einer Straße, die kein Ende hat. „The Road goes ever on and on“, wie der Pate epischer Fantasy, J.R.R. Tolkien formulierte.
Entwicklung hat kein Ende.
Aber manchmal kehren wir verändert an bekannte Punkte zurück.

„Twilight Road“, die Nullnummer der Romanreihe ist gratis erhältlich.
Den ersten Band „Stadt des Zwielichts“ gibt es hier für nur 0,99 €.
Unter diesen Links kommt man auch jeweils zu einer Kurzbeschreibung der Geschichte und kann in den Anfang hineinlesen.


NINRAGON wurde in der Kategorie „Beste Serie“ für den Deutschen Phantastik Preis 2013  nominiert. „Schattenreich“, der Comic, auf dem diese Geschichte basiert, wurde mir dem ICOM Independent Preis ausgezeichnet.

12. September 2014

Sex, Kids und Rock'n'Roll für 99 Cent. Wenn das mal kein Jagger-Preis ist!

Heute gibt es einen Gastbeitrag auf The Range. Die Autorin wurde sogar schon einmal in einem Blogbeitrag vorgestellt. Ich überlasse die Bühne meiner Schwester Thea Verano.

He, ich hab’ das gelesen, Keule!
Ich bin kein Analphabet und ich kann mich auch durchaus in World Wide Web einloggen. Nur weil ich mich nicht gerne auf von der NSA durchseuchten Sites und Clouds rumtreibe, gehöre ich schließlich mehr als mein Bruder zur Generation, die mit dem ganzen Zeug aufgewachsen ist.
Aber gemach, halte deine Pferde, Thea. Die Wahrheit ist, dass mein Bruder mir gewaltig bei all dem geholfen hat, und ohne ihn würde es meinen Roman in dieser Form wahrscheinlich gar nicht geben.
Zum ersten schon einmal wegen des Covers, zu dem er die Zeichnung beisteuerte. (Dank geht raus an Jacqueline Spieweg, die draus was richtig Heißes gebraut hat.) Zum anderen, weil er mich mit dem Self Publishing vertraut gemacht hat.Durch ihn habe ich mich zu diesem Veröffentlichungsweg entschlossen habe, bevor ich mich durch die Wächter althergebrachter Buchproduktion und der Kanone (heißt die Mehrzahl von Kanon so?) mürbe machen lasse, durch die Mühle gehe und nachher den Kotau machend mein literarisches Baby auf die Verträglichkeit und Fadheit eines BigDreck runterköchle. Als gibt’s mein Buch frei geboren und undomestiziert.
Und nachdem ich nochmal ein Danke an meinen großen Bruder ausgesprochen habe, kommen wir zu dem, um was ich jetzt schon die ganze Zeit rumschwafele, ohne es ein einziges Mal beim Namen genannt zu haben.
Es ist draußen. Mein Buch „SEX, KIDS UND ROCK’N’ROLL“ ist endlich erschienen.
Und, trara, zur Einführung ist es zum gigantischen Preis von sage und schreibe 99 Cent zu erhalten. Jedenfalls als eBook.
In letzter Zeit habe ich viel Zeit – mehr als sonst – mit meinem Bruder verbracht und mich mit ihm ausgetauscht. Da gibt es bei ihm bei den Lebensprinzipien, denen er versucht zu folgen, neben dem der Aufrichtigkeit das der Großzügigkeit.
Also, diesen genialen Preis habt ihr in Teilen ihm zu verdanken. Ich bin denn mal großzügig.
Um was geht es in dem Buch. Na, mal gut, dass es für solche Fragen einen Klappentext gibt:

Amanda Wilbrecht ist eine Rebellin des Alltags.
Nach einer Serie von Katastrophen findet sie sich mit ihren zwei Mädchen am Ende der Welt wieder.
In einem Dorf, das nichts davon ahnt, dass es in seinen Grundfesten erschüttert werden wird.
Fehlt nur noch der richtige Mann …
Schlaf gut, Mergensruh, gutes, altes Dorf – bald wirst du geweckt werden.
Gutes altes, liebenswertes, verschlafenes, verkommenes, korruptes Dorf.

Erste Leser meinten: „Klasse. Weit mehr als ChicLit und genauso unterhaltsam. Wer mit Frauen nicht die neurotische Sorge um Cellulite verbindet, wird hier fündig. Amanda ist ein anderes Kaliber.“ und „Amanda Wilbrecht ist so ‚positiv bekloppt‘ wie frau nur sein kann.“

Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.

Das Buch gibt es hier als eBook auf Amazon zum sagenhaften Einführungspreis von 0,99 Euro-Ocken.
Und hier als gedrucktes Buch für die Freunde der Eselsohren, des Geruchs von Druckerschwärze und der nach 10 Seiten gebrochenen Buchrücken.
Auf Weltbild.
Bei Hugendubel.
Bei Kobo.
Andere Plattformen für andere Reader folgen. Kann sich nur um Tage handeln.

Ach so, und "liken" könnt ihr mich auch. Ich meine "mögen" reicht ja nicht. Nicht wahr? Nicht wahr?!! 500 Likes, 1.ooo Like. Hihihi, an Stelle meines spinnerten Bruders hättet ihr eine Königin. Alle werden mich liken und verzweifeln.
Und zwar hier auf meiner Thea-Verano-Autorenseite auf der Visagenschwarte.

13. August 2014

Signierte Print-Ausgaben von NINRAGON

Da jetzt die Ninragon-Trilogie mit „Die standhafte Feste“, „Der Keil des Himmels“ und „Der Fall der Feste“ für die Freunde des gedruckten Buches – zu denen auch ich mich zähle – komplett in Print vorliegt – Tote-Bäume-Bücher für die Freunde der eBooks – können direkt bei mir signierte Ausgaben bestellt werden.
Außerdem gibt es noch „Homunkulus“ in gedruckter Form, sowie die aus dem ersten Band der Trilogie ausgekoppelte und für diese Erzählform umgearbeitete Novelle „Schrecken der Vorzeit“, die ebenfalls signiert bei mir bestellt werden können.
Die Bücher sehen sehr schön aus und sind eine echte Zierde für jedes Bücherregal.
Sogar meine Schwester, die ja so gar nicht auf Fantasy steht, hat sie schon bei sich stehen.

Der ersten Schub ist schon ausverkauft. Vorbestellungen für die zweite Lieferung werden per eMail angenommen.

12. August 2014

Lesung im SecondLife


Das Bild sagt schon alles. Am Samstag den 16. August lese ich um 20.00 Uhr im Planetarium von SecondLife und stelle mich danach der Diskussion. Ich bin schon sehr gespannt.
Und wenn ihr Bedenken habt, ob und wie ihr ins SecondLife reinkommt – ich als Technik-Blonder habe das geschafft, und es dauert nicht so lange, wie an der Kinokasse anzustehen.


9. August 2014

Darf ich vorstellen: Meine Schwester, Autorin und Nervensäge

Also gut, auf Facebook will sie nicht. Das ist böse. NSA und so.
Okay, kann ich ja irgendwie verstehen. Wie dem auch sei. Trotzdem frage ich mich, was will meine kleine Schwester, da schon schreiben, was der NSA nicht wissen darf. Oder jemand anderer.
… 
Hmmm.
Okay, ich sehe den Punkt. Mir fallen da so ein paar Sachen ein. 
Aber ich will ja nicht aus dem Nähkästchen plaudern. 
Und ich bin mir nicht sicher, ob der werte Gatte das auch alles schon weiß. Oder ob das ist wie mit den entwürdigenden Kinder- und Jugendfotos, die der Partner erst zu sehen kriegt, wenn man miteinander alt und grau geworden ist und alles andere nur noch teuer werden kann.
He, Luciano, trinken wir demnächst mal einen? Ich könnte dir da ein paar Sachen erzählen.
Also Facebook nicht, dann aber Homepage und so.
Herrgott nein! Homepage ist dämlich. Soll man sich in die Reihe dieser ganzen Deppen einreihen, die für ihre Kinder und Haustiere Homepages einrichten, auf die alle Familienmitglieder und Freunde dann gezwungen werden zu gehen.
Thea, aber du bist eine Autorin. Bei dir ist das was anderes. Wie soll irgendjemand von dir und deinen Büchern erfahren, wenn du es nicht irgendwo verbreitest? Wir leben in den Zeiten des Internet. Ja, weiß sie, aber … Und dann kommt eine Antwort, die ich hier nicht wiederholen will. Von ihrer Kodderschnauze bekommt ihr schon in ihrem Buch genug zu hören.
Wenn ihr es lest.
Denn hey … uhuuuuhh! „Freche Frauen“ und so. Auf dem Stapel wird sie garantiert landen, wenn’s gedruckt wird. Obwohl das schade wäre. Denn sie hat doch viel mehr zu sagen. Auch Männern. Wenn Sie’s heimlich unter der Bettdecke lesen. Oder auf dem Reader in der Bahn. Wo keiner sieht, was sie da lesen.
Also ich jedenfalls, ich werde es stolz in aller Öffentlichkeit lesen, wenn man es mal in der Hand halten kann.
Schaut, das ist von meiner Schwester. Die ist Autorin. Jawohl.
Und Nervensäge.
Denn kommen wir wieder zu dem Homepage-Kram zurück.
Ich sage ihr, Thea, wenn du nicht ins Internet willst, was willst du denn dann machen? Willst du im Park von einer Bank zur anderen laufen und allen erzählen, dass du ein Buch geschrieben hast und wie toll das ist? Oder dir einen Bauchladen vorbinden und ein Schild auf den Rücken schnallen?
Nach etlichen Ausbrüchen und unflätigen Aussagen kommt etwas bei ihr an.
Okay sie sieht’s. Aber auf keinen Fall …
Also gut, also gut. – *tiefes Ein- und Ausatmen* – Kompromiss.
Du. Du musst nicht auf Facebook gehen. Du musst dich nicht da registrieren. Du musst da keine Privatseite einrichten. Ich bin auf Facebook, ich richte dir eine Autorenseite her. Gut?
Ja, du brauchst eine Autorenseite. Ganz bestimmt. Auf jeden Fall. Wie war das nochmal mit von Parkbank zu Parkbank gehen? – Siehst du.
Puh.
Warum mach ich das eigentlich?
Weil meine Schwester eine Autorin ist. Und zwar – was meine unmaßgebliche Meinung anbelangt – eine verdammt gute.
Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal davon. Ich wusste, dass sie immer gerne und ausgiebig gelesen hat und dass sie diese Leidenschaft mit ihrem Mann Luciano teilt.
Und dann hat sie mir ihr Manuskript gezeigt. Nein, falsch: Kein Manuskript. Sie schreibt nicht mit der Hand. Sie schreibt schon auf ihrem Laptop, trotz Facebook-Allergie und allem.
Auf diese Eröffnung ihrerseits folgten die üblichen Szenen. Kann man sich ja vorstellen, wenn jemand gesteht, dass er heimlich schreibt.
Du, ich hab da was geschrieben.
Oh, mein Gott. Was wird die schon geschrieben haben. – Nein, das stimmt nicht. Das wäre gelogen, um eines billigen Gags willen. Ich habe meiner Schwester von Anfang an zugetraut, dass sie was kann. Aber ich hatte Angst davor, dass ich mit dieser Vermutung danebenliegen würde. Wenn ihr Buch jetzt Turbinenkacke wäre, und ich müsste rumeiern nach dem Motto „Wie sag ich’s ihr jetzt?“. „Ja, das hat schon viel Gutes.“ „Du musst bestimmt sehr stolz darauf sein.“ „Ich habe auch sehr früh mit Schreiben angefangen, und siehe da … 36 Bücher später bin ich soweit, dass es was taugt und ich es publizieren kann.“
Zum Glück waren meine Befürchtungen aber unbegründet.
It was fucking brilliant. And hilarious. I pissed my pants.
Ihr Arbeitstitel war „Sex, Kids und Rock’n’Roll“. Wahrscheinlich wird der auch bleiben. Ich finde ihn gut, sie findet ihn gut, er trifft den Inhalt ziemlich genau.
Jetzt saß ich also da mit meinen feuchten Hosen und ihrem Text in der Hand und wunderte mich, was doch alles in ihrem hübschen Köpfchen vorgegangen sein muss, während sie mich und meine werte Gattin dabei beobachtet, wie wir versuchten zwei kleine Teppichratten mit Würde großzuziehen. Okay, Thea, was werde ich lachen, wenn es bei dir und Luciano so weit ist und ihr euch an diesem großen, wunderbaren Abenteuer versuchen werdet.
Dass du was von Rock’n’Roll verstehst, kann ich bezeugen. Was nicht immer so lustig war, wenn man der große Bruder von so was ist. Oh mein Gott, ich hoffe unsere Mädchen sind später nicht so drauf. Hallelujah! Später wusste ich es dann zu würdigen. Ich habe sogar schon einmal mit ihr auf einer Bühne gestanden. Definfitv nach Lucinda Williams die dreckigste Röhre, die ich kenne.
Also das Buch ist gut.
Jetzt sieht's so aus, als müsste ich ihr auch noch ein Cover zeichnen!!! Und das, wo ich selber nehme mir dafür jemand anderen nehme. Aaaaargh, zu was einem Verwandtschaft alles bringen kann. Ich könnte ja einfach Nein sagen. Aber dann kann ich mir den Wasserfall von Gejammern und Belatschern und Bauchpinselei noch ewig anhören. Rette mich vor kleinen Schwestern. Gleichmut, Gleichmut. Ommmm.
Bin ich froh, wenn ihre Autorenseite fertig ist, dann könnt ihr euch nämlich selber mit ihr rumschlagen. Und natürlich wird sie das alles ganz anders darstellen. Aber solange sie noch nicht … Richtig. Solche Chancen muss man nutzen. Und Kommentare unten drunter werden gnadenlos gelöscht. Du wirst deine Chance noch haben, Thea.
Ihr Text ist jetzt bei meinem Lektor. Ist ja überhaupt nicht mein Genre, wahrscheinlich seins auch nicht. Der arme Kerl. Trotzdem hoffe ich, dass Django sie nicht komplett auseinander nimmt.
Sonst kann ich mir nämlich wieder das Geplärre anhören.
Was tut man nicht alles für ein paar Mal Babysitten …
Ach so. Ihr Name ist übrigens Thea Verano.
(Und ich habe sie mit über einen billigen Insider-Nerd-Gag dazu gebracht, der Antagonistin in ihrem Buch ihren eigenen Vornamen zu verpassen. Mal sehen, wer den Gag überhaupt kapiert. Jedenfalls hab ich mein Späßchen. Und das sei mir nach all dem Brassel wirklich gegönnt.

PS: Ich sage euch Bescheid, wenn ihr Buch rauskommt oder so. Dann könnt ihr es „für eure Freundin kaufen“, Jungs. Ich weiß ja, dass ihr so was nicht lest. Nein, auf keinen Fall. Obwohl euch was entgeht.
In diesem Sinne. Dudes and Dudesses, meet you on the Range.


Und nächstes Mal geht es wieder um meinen Kram. 

5. August 2014

NINRAGON Rising



Ich freue mich ganz außerordentlich, dass ich mit meinem Reload von Ninragon diesen Erfolg habe, vor allem mit der Gesamtausgabe.
Zuerst durchbrach sie die Top 500 bei Amazon, dann die Top 300, platzierte sich in ihren Genres auf den ersten Seiten der Bestenliste. Wer weiß, wo sie steht, wenn dieser Blogpost erscheint.
Das ist die Bestätigung, die man sich als Autor wünscht.
Und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei Arndt Drechsler und Jacqueline Spieweg bedanken, die mit ihren Covern zu diesem tollen Erfolg beigetragen haben. Außerdem bei meinem Lektor Django, der mir außer mit der Peitsche und eisernem Besen auch mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat, sowie bei Uwe Tächl, der den „Homunkulus“ im Korrektorat gelesen hat und sich erfreulicher- und freundlicherweise auch bereit erklärt hat, mich bei meinen künftigen Projekten zu begleiten.
Auch von Arndt und Jacqueline werden weitere Cover für die Zukunft kommen. Ich kann es schon kaum erwarten, bestimmte Szenen im Bild zu sehen. Ich sage nur „NINRAGON – Verlorene Hierarchien“.
Ganz besonders möchte ich mich auch bei allen Lesern bedanken. Ohne sie wären meine Bücher ein Sack Reis, der in China umfällt. Wenn meine Bücher auf chinesisch herauskommen, müsste ich das denn entsprechend durch einen Sack Kartoffeln, der Imgenbroich umfällt ersetzen.
Hier gehen wir! Auf die nächsten Bücher und Projekte.
Wer erfahren will, wann das erste Verlorene-Hierarchien-Buch für 0,99 € herauskommt, der kann sich dazu für meinen Newsletter eintragen. Und er bekommt auch gleich gratis eBücher zur Einführung in die Welt von Ninragon. Und auch für Veteranen ist noch einiger Kram dabei.
Also: Werdet Mitglied der Sechzehnten und geht mit auf die Reise.

Die Sechzehnte lebt!


Demnächst:
„Drachenblut“ Ein Prequel zu Homunkulus
„Stadt des Zwielichts“ Verlorene Hierarchien 1
„Geist von Stahl und Feuer“ Verlorene Hierarchien 2
Eine bisher unbetitelte Kurzerzählung zu Verlorene Hierarchien

Und aus „verwandten“ Gebieten kommt das Buch meiner Schwester:

Thea Verano „Sex, Kids und Rock’n’Roll“

12. Juli 2014

NINRAGON RELOADED

Es hat seinen Grund, warum man in letzter Zeit nur spärlich von mir gehört hat. Ich war in dieser Zeit ziemlich emsig an vielen Fronten beschäftigt. Zu einigen dieser Dinge später mehr.
Doch jetzt erst einmal zur Hauptsache.

NINRAGON startet neu.

Ja, es gibt einen Relaunch zu meiner gesamten NINRAGON-Serie, der stufenweise erfolgen wird, aber heute seinen Anfang nimmt mit der Neuveröffentlichung der ursprünglichen Trilogie mit neuen Covern und einer Gesamtausgabe.














Band 1 „Die standhafte Feste“ gibt es für 0,99 € hier. 
513 Seiten für 0,99 €

Band 2 „Der Keil des Himmels“ ist hier erhältlich, Band 3 „Der Fall der Feste“ hier.

Die Gesamtausgabe der Trilogie über 1.400 Seiten ist für 6,99 € hier erhältlich. Man spart 3,98 €, also 64% gegenüber den Einzelbänden!


Was ist der Grund für diesen Neustart?
Als ich die NINRAGON-Trilogie begann und auch als ich sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellte hatte ich eine Geschichte und viele Ideen, wie diese fortzuführen sei.
Seitdem ist einige Zeit vergangen, in der meine Bücher bei den Lesern auf eine positives Echo stießen, in der ich zu meiner großen Freude zweifach für den Deutschen Phantastik Preis 2013 nominiert wurde, in der ich Lesungen halten durfte und die große Freude hatte, mit meinem Publikum in direkten Kontakt zu treten, in der ich viele liebe Kollegen kennenlernen durfte … in der sehr, sehr viel passierte.
Vor allem passierte in dieser Zeit eines: Ich habe viel gelernt.
In verschiedenster Beziehung.
Seit meinen Anfängen als Schriftsteller wurde mir immer klarer, was ich eigentlich will. Ebenfalls in vielen Beziehungen.
Ich weiß heute, wohin ich mit meinem Werk NINRAGON will, wie ich es präsentieren will, wie die ganze Welt dieser Serie aussieht, wie ich meine Zukunft als Schriftsteller sehe.
Die Konsequenz daraus ist dieser Neustart. Der nicht nur eine bloße Neuauflage alten Materials ist. Aber dazu später mehr. 
NINRAGON als Welt, als Serie. 
Mit Unterzyklen, Einzelromanen, von denen jeder eine Tür sein soll, durch die der mit NINRAGON bisher noch nicht vertraute Leser ohne Vorwissen in diese Welt einsteigen kann.
Alle im einheitlichen Design. 
Dieses Jahr erscheint noch die NINRAGON-Urban-Fantasy-Reihe „Verlorene Hierarchien“, welche zusammen mit der Trilogie die Klammer der Meta-Geschichte von NINRAGON bildet.
Drei weiter große Storybögen darf der Leser in der engeren Welt von NINRAGON bisher noch erwarten. Diese Storybögen habe ich bereits in der Fantasy-bestimmten Welt von NINRAGON geplant und sie werden die Geschichte, die mit der Trilogie und „Homunkulus“ begonnen wurde, fortführen.
Neben den restlichen Bänden von HYPERDRIVE ist ein weiterer Storybogen von NINRAGON AD ASTRA mit dem Titel „Lupus Rex“ geplant und geplottet.
So viel nur zum inhaltlichen.
Es wird weitere Neuigkeiten geben. EPub-Ausgaben für alle anderen Reader und Stores neben dem Kindle und Amazon sind unterwegs, Sonderausgaben, kleine Geschichten … die Print-Ausgabe.

Wer diese Neuigkeiten als erstes erfahren möchte, wer immer über Neuerscheinungen, Sonderpreisaktionen und weitere Angebote und Neuigkeiten informiert sein will, wer Neues aus meinem Autoren-Alltag oder Hintergründe aus dem NINRAGON-Universum und vieles mehr erfahren möchte, sollte sich über das Formular in der Spalte rechts für meinen Newsletter anmelden.
Ich möchte mit meinen Lesern enger kommunizieren und bin an einem persönlichen Austausch interessiert. Ich freue mich daher jederzeit darüber, eMails von Lesern mit Anregungen, Leseerfahrungen, einfach nur Grüßen oder was auch immer sie mir schreiben wollen, zu bekommen.
Werde ein Mitglied der „Sechzehnten“ und tauche noch tiefer ein in die Welt von NINRAGON.


Die Sechzehnte lebt!

11. Juli 2014

6. Juli 2014

Homunkulus Folge 7

Banátrass war nicht zurückgewichen, auch wenn sie ihm fast ins Gesicht spuckte, wie er da in seinem Sessel hinter dem Schreibtisch hing. Er rückte sich zurecht, während sie zu Atem kam und die Last ihres Körpers von ihren aufgestützten Armen nahm. Banátrass stand auf, kam mit ihr auf Augenhöhe.
Da war keine Spur in seinem Blick. Sie hatte gedacht, sie könnte ihm in die Augen schauen und wüsste Bescheid. Wüsste warum Khrival sterben musste. Wüsste, ob sie weiterhin – hier bei der Miliz in einem besetzten Rhun, unter einem Milizhauptmann, den die Kinphauren ihr vorgesetzt hatten – das tun konnte, was zu tun sie beide sich damals geschworen hatten. Für die Unschuldigen eintreten. Die Straßen von Rhun sauber halten. Das konnte sie nur, wenn sie die Kontrolle hatte und nicht, wenn sie vollkommen im Dunkeln tappen musste. Nicht wenn ihnen ihr eigener Hauptmann in den Rücken fiel, weil er ein Mann der Kinphauren war. Nicht wenn sie sich ständig fragen musste, ob sie dessen Informationen trauen konnte oder er sie gerade ins Messer laufen ließ. 
Immerhin, Banátrass blieb bemerkenswert ruhig. Wenn er sie kaltstellen wollte, nur Jasager, Marionetten und Kinphaurenschergen unter sich in dieser Miliz sehen wollte, dann hatte sie ihm jetzt dazu die Vorlage geliefert. Ihr Atem kam zur Ruhe, sie fühlte nur, wie ihre Nüstern sich regelmäßig wie ein Blasebalg blähten.
„Sie haben Leute verloren“, sagte Banátrass schließlich nach lang sich hinziehender Pause, „das tut mir leid. Sie haben einen alten Kadergefährten verloren. Das macht Sie wütend und bitter.“ 
Er stand auf, umrundete seinen Schreibtisch, immer noch ruhig, gefasst. Draußen rissen in diesem Moment die Wolken auf, und er stand für einen kurzen Augenblick im Gegenlicht des breiten, hellen Bandes des Diaphanumfensters. Seine Gestalt teilte den sich hinter ihm bietenden Ausblick auf die Stadt: die Gans bis zum Fluss und zu den Häfen hin, dahinter die Quartiere von Fillikshorn und Valimsfeld mit den aus dem Häusermeer emporragenden Stadtburgen, zur Linken die hell hervorstechende Erhebung des Engelsberges mit den Gebäuden des ehemaligen vanareischen Parlaments, die jetzt der Sitz der kinphaurischen Militärkommandatur waren.
„Darüber wütend und bitter zu sein, dazu haben Sie jedes Recht“, sagte er. „Glauben Sie mir, mich macht es auch wütend und bitter.“ Die gebräunte Haut seiner hohen Stirn legte sich in saubere, parallele Falten. „Aber ich habe nach den Informationen gehandelt, die ich bekommen habe.“ Seine Augen richteten sich gerade auf sie, suchten ihren Blick. „Ich hatte keinen Grund, an diesen Informationen zu zweifeln.“
Er schwieg einen Moment. Dann hob sich der Hauch der Bekümmerung von seinen Zügen, wandelte sich in etwas wie ernste Entschlossenheit.
„Und ich habe Ihnen den Auftrag gegeben, weil er groß war. Weil ich weiß, dass Sie gut und effektiv sind und Ergebnisse sehen wollen. Dass Sie Dinge im großen Stil erledigen wollen. Sie haben das Feuer dazu.“
Er hielt ihren Blick. War es das wirklich, Banátrass? Oder ging es nur um den Dienst den Kinphauren gegenüber? Dass sie nicht ihr Gesicht verloren, weil man ihnen so einfach Waffen unter der Nase weggestohlen hatte. 
Was für eine Blamage! Da waren die Firnwölfe, eine Straßenmeute, einfach so in ein Magazin der Kinphauren eingedrungen, auf welchem Weg auch immer, vielleicht durch die unterirdischen Gänge der älteren Stadt unter dem Pflaster von Rhun. Und dann waren sie einfach so mit einer Ladung gefährlicher Waffen wieder verschwunden. 
Und damit diese Sache möglichst schnell aus der Welt geschafft wurde, hatte Banátrass sein bestes Pferd losgeschickt? Sie suchte nach Spuren in seinem Gesicht, suchte nach einem Grund ihm zu glauben. Für Khrival.
Ihr stand wahrscheinlich ihr Misstrauen ins Gesicht geschrieben, trotzdem trat er einen Schritt näher. Noch näher und er hätte ihr die Hand auf die Schulter legen können.
„Ich habe keinen Zweifel daran“, sagte Banátrass, „dass Sie und ihr Kader bei dieser Mission ihr Bestes gegeben haben. Wenn die Sache sich als größer herausgestellt hat, als wir alle geglaubt haben, dann tut mir das leid, weil dafür Milizgefährten ihr Leben lassen mussten. Ein Brannaik-Kampfhomunkulus, sagen Sie?“ 
„Ja. Komplett mit Bannschreiber.“
„Das ist allerdings bemerkenswert.“ Er hob die Hand ans Kinn, legte den Zeigefinger über die Lippen. „Ein Kunaimrau und ein Bannschreiber.“ Er benutzte das kinphaurische Wort für diese künstlich geschaffenen Kreaturen. Banátrass schaute für einen Moment wie sinnend durch sie hindurch, dann fixierte er sie wieder mit seinem Blick, klar, entschlossen. „Aber das zeigt, dass wir Recht hatten. Dass an dieser Sache etwas faul war. Dass es richtig war, ihr mit dieser Dringlichkeit nachzugehen. Dass wir die Firnwölfe, ein für alle Mal kaltstellen müssen. Was für eine immense Gefahr die Firnwölfe für die Sicherheit von Rhun sind, haben sie gerade eben bewiesen. Sie sind streng strukturiert. Sie sind mehr als eine bloße Meute. So etwas ist organisierte Kriminalität. Und sie haben nicht nur ein paar Waffen gestohlen, sondern sie betreiben systematisch Waffenhandel und zwar mit Leuten, die keine Skrupel haben, Waffen einzusetzen, die in den Straßen dieser Stadt ein furchtbares Blutbad anrichten können. Wenn so etwas wie ein Homunkulus oder Armbrustbatterien in Rhun eingesetzt werden sollen, dann muss die Miliz hier einschreiten. Das sind Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Das bedeutet kriegsähnliche Zustände in den Straßen dieser Stadt. Sie werden die Firnwölfe und die andere Seite dieses Handels schnappen. Sie werden sicherstellen, dass etwas Derartiges nicht mehr vorkommt.“
Er hielt inne, wie um Luft zu schöpfen. „Aber ich sage noch einmal, ich habe Ihnen diesen Auftrag gegeben, damit Sie sich beweisen können. Sie sind bei meinem Vorgänger wegen ihrer Methoden angeeckt. Er fand sie fragwürdig. Sie sind oft mit ihm aneinandergeraten. Sie haben gegen direkte Befehle verstoßen. Sie haben nur den Hals aus der Schlinge ziehen können, weil Sie Ergebnisse brachten. Ich werde Ihnen nicht auf diese Art im Wege stehen. Ich will, dass Sie richtig loslegen. Deshalb habe ich dafür gesorgt, dass sie die entsprechende Ausrüstung erhalten, Orben, moderne Sturmarmbrüste. Hier wird sich in Zukunft einiges ändern.“ Banátrass ballte die Rechte zur Faust, tat als wolle er ihr damit auf die Schulter klopfen, berührte sie dabei jedoch nicht. „Ich will, dass Sie das, was in Ihnen steckt, auch zeigen können. Dass sie sich zum einen diese beiden Banden schnappen. Ich hoffe, dass Sie die meisten davon heute schon erwischt haben. Und dann, dass Sie das Quartier Ost-Rhun säubern und zu einem Präzedenzfall dafür machen, was ein hart durchgreifender Milizkader erreichen kann, wenn man ihm die Möglichkeiten dazu gibt. Dazu gehörte, dass Sie eine kriminelle Organisation unschädlich machen, die gefährliche Waffen auf die Straßen bringen will. Sie werden sich die Firnwölfe und alle anderen an der Sache Beteiligten schnappen. Alle. Bis zum letzten Hintermann.“
Sie starrte ihm ins Gesicht, musterte ihn, die gepflegte Haut, die lange, schmale Nase, die harten, dunklen Augen, den sorgfältigen Haarschnitt, versuchte etwas darin zu erkennen. Und ein Gedanke, der die ganze Zeit in ihr gebrodelt hatte, trat mit einem Mal klar in ihr Bewusstsein. Armbrustbatterien konnte man sich in Straßenkämpfen vorstellen, zur Befestigung einer Stellung oder ähnlichem. Aber noch viel mehr Sinn machte so etwas draußen im Niemandsland, auf den Schlachtfeldern. Dort, wo man auch einen beschädigten Homunkulus bergen und wieder in Gang setzen konnte.
„Hauptmann Banátrass.“
„Ja.“ Seine Augen hielten sorgfältig ihren Blick. Das Braun der Iris war irritierend. Es hatte etwas von exquisiten Lackarbeiten, Schicht um Schicht bis zu einem preziösen aber undurchdringlichem Glanz hin aufgetragen, in dem nichts Durchscheinendes mehr lag.
„Haben wir in den Katakomben unter der Haikirion-Kirche gegen Marodeure gekämpft?“
Seine Mimik erstarrte für einen Moment. 
„Marodeure?“ Banátrass' Gesicht wich eine Handbreit vor ihr zurück, zeigte Irritation. „Wie kommen Sie denn auf so was?“
„Wo findet man denn einen beschädigten Homunkulus? Doch am ehesten auf den Schlachtfeldern? Draußen im Niemandsland. Wer kommt an so etwas heran? Wahrscheinlich am besten die Rebellen.“
Banátrass’ Augen verengten sich. „Das, was Sie Niemandsland nennen, ist das Gebiet des Niedernaugarischen Protektorats. Und es handelt sich außerdem nicht um Rebellen sondern lediglich um Horden von Marodeuren, die plündernd und brandschatzend das Land durchziehen.“
Da hatte sie aber etwas ganz anderes gehört. Das, was man offiziell Marodeure nannte, das, was jetzt auch Banátrass so nannte, waren in Wirklichkeit nicht einfach ein paar wilde, voneinander unabhängige Plündererhaufen sondern eine gut organisierte Armee, die den Kinphauren dort draußen ganz gehörig zusetzte. Sie hatten einen gemeinsamen Anführer, den man Einauge nannte. Und es war anzunehmen, dass er militärische Erfahrung besaß, so zielsicher wie die Rebellen – oder Marodeure, wie immer man sie nennen wollte – da draußen vorgingen. Wenn man den Nachrichten traute, die von dort aus immer wieder auf allen möglichen Wegen in die Stadt gelangten. Sie verkniff sich eine Erwiderung; Banátrass sprach ohnehin schon wieder weiter.
„Machen Sie sich nicht lächerlich, Leutnant Kuidanak.“ Da saß doch tatsächlich die Spur eines ironischen Lächelns um seine Lippen. „Die Marodeure treiben sich höchstens irgendwo in Dagranaum herum. Näher kommen die nicht an Rhun heran. Die haben nicht einmal die Grenzen von Vanarand überschritten, geschweige dass sie irgendwie in die Nähe von Rhun gelangen konnten. Es gibt immer noch die Wächterstreifen. Wie sollten welche von den Marodeuren in diese Stadt gelangen?“
„Ich weiß nur, dass wir da unten auf einen Homunkulus getroffen sind. Ich halte es nicht für unmöglich, dass ein kleiner Trupp, der ursprünglich zu den Marodeuren gehörte, sich von ihnen abgesetzt hat und irgendwie in die Stadt gelangt ist. Vielleicht um sich hier als eine neue Meute breitzumachen und sich mit der Kampferfahrung von dort draußen ein neues Revier zu erkämpfen. Gut möglich. Schließlich haben Sie auch nichts von Armbrustbatterien gewusst.“
Sein Kopf legte sich schief, und für einen Moment ließ sein Blick den ihren entgleiten, wobei sich ein Hauch der Bekümmerung, vager und ungreifbarer diesmal, auf seine Züge legte. „Meine Informanten?“ Wie zu sich selber, schnaubte dabei. „Ich erfahre von den Kinphauren“, sagte er, „was die Kinphauren mich wissen lassen wollen.“ Er schien sich wieder zu fassen. „Marodeure oder nicht, was spielt das für eine Rolle?“ Er sah sie nun wieder direkt an, sprach mit wiedergefundenem Nachdruck. „Sie sollen das Quartier Ost-Rhun säubern. Dazu gehört ganz gewiss, Armbrustbatterien und ähnlich gefährliche Waffen von Straßen Rhuns fernzuhalten. Die Sicherheit der Bürger ist gefährdet. Ganz klar die Sache der Miliz. Wenn Sie Recht haben und es sich bei der anderen Seite des Waffenhandels um ehemalige Marodeure handelt, die sich hier in Rhun mit den Methoden ihres Mordhaufens breit machen wollen, dann ist es erst Recht Aufgabe der Miliz, das zu verhindern. Diese Kerle sind gefährlich, das haben sie gezeigt. Sie haben schließlich vier von Ihren Leuten umgebracht. Ihr Auftrag, Ihre Aufgabe. Greifen Sie durch!“ Er zielte mit dem Finger auf ihre Brust. Für einen Moment dachte sie, er ginge so weit damit tatsächlich ihren Busen zu berühren. „Schnappen Sie sie sich! Machen Sie sie fertig! Das sind wir Ihren toten Gefährten schuldig.“
Er breitete mit weiter Geste die Hand aus. Es war unklar, ob er damit sein Büro oder direkt die ganze Stadt im Ausblick des Panoramafensters hinter ihm meinte.
„Sie haben meinen Besuch gesehen, Leutnant Kuidanak. Ich erteile Ihnen und Ihrem Kader hiermit offiziell den Auftrag das Quartier Ost-Rhun von organisierter Kriminalität zu säubern. Dieser Stadtteil ist eine Jauchegrube, eine Brutstätte für Verbrechen. Er ist durchsetzt mit dem Geschwür der Bandenkriminalität bis zum Grad der Unkontrollierbarkeit. So wie Kaiverstod. Den Kinphauren ist das nicht entgangen.“
Ein Stich durchfuhr sie. Jeder Bürger von Rhun wusste genau, was in Kaiverstod geschehen war, wusste von dem Blutbad, das die Duergakompanie unter den Bürgern angerichtet hatte, als die Kinphauren sie hereinschickte, um dieses angeblich unkontrollierbar gewordene Viertel zu säubern. Der Schock dessen war durch die Bevölkerung der ganzen Stadt gegangen. Wollte Banátrass ihr damit etwa drohen?
„Räumen Sie auf!“ Banátrass‘ Gesichtsausdruck und Körperhaltung zeigten ein Feuer und einen Enthusiasmus, den seine merkwürdig irritierenden Augen nicht widerspiegeln wollten. „Sie haben einen gewissen Ruf. Sie haben die entsprechende Erfahrung.“
Er drehte sich abrupt von ihr weg, so als wollte er eine Audienz beenden.
„Ach.“ Schon bei seinem Schreibtisch angekommen wandte er sich wieder halb zu ihr um. „Sie werden Ersatz für ihren getöteten Kameraden erhalten. Finden Sie sich morgen im Gouverneurspalast ein. Bei Gouverneur Seranigar. Er wird Ihnen persönlich ihren neuen Mitarbeiter vorstellen.“
Danak stutzte. Vom Gouverneur vorgestellt. Dieser Marionette Seranigar? Dem Lakai der Kinphauren. Khrivals Tod war gerade erst geschehen. Dies konnte keine Reaktion darauf sein. Man hatte also schon vorher geplant, ihr einen von den Kinphauren ausgewählten Mann in den Kader zu schicken.
Danak spürte, wie ihre Lippen zu Eis wurden. „Ist das Ihr Ernst?“ Khrival war noch nicht einmal kalt, und Banátrass benutzte diese Tatsache schon ihr einen Kuckuck ins Nest zu setzen. Was spielte dieser Kerl für ein Spiel?
„Natürlich meine ich das ernst.“ Banátrass drehte sich nun ganz zu ihr hin. „Ich stehe hinter Ihnen, Kuidanak. Das sollten sie inzwischen begriffen haben. Sie bekommen von mir jede Unterstützung, die Sie brauchen. Schnappen Sie sich diese Milizmörder. Wenn Ihnen ein Mann im Kader fehlt, bekommen Sie einen neuen. So einfach ist das.“
So einfach war das also.
„Wer ist der Mann?“
„Das werden Sie morgen erfahren. Beim Gouverneur.“
Banátrass musterte ihre Miene. „Und nehmen Sie sich für den Rest des Tages frei. Es war ein harter Tag für sie alle. Ich kann verstehen, wenn Sie das alles erst einmal verarbeiten wollen.“ Er schien nicht zu verstehen, was er da vorhin gesagt hatte, er schien nicht zu verstehen, was es war, das in ihr herumwühlte. „Ihren ausführlichen Bericht können Sie mir auch noch morgen geben.“
So einfach war das für Banátrass.
Sie grüßte, knapp. Der Form entsprechend. Dann wandte sie sich zur Tür.

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29. Juni 2014

"Homunkulus" Folge 6

Das Präsidium der Miliz von Rhun lag in dem alten Teil der Stadt, den man „die Gans“ nannte, nicht in ihrem Kern sondern etwas abseits, direkt an der Grenze zu den Quartieren Rhun-Zentrum und Ost-Rhun. Das Gebäude war eines jener alten Stadtburgen, auch Kastelle genannt, die seit jeher den Charakter der Hauptstadt von Vanarand geprägt hatten. Dieses hatte vor langer Zeit einmal der Familie derer von Druvaran gehört, und so nannte man das Präsidium in der Bevölkerung noch heute zumeist nur die Druvernsburg. Kantig und schroff ragte sie mit ihren abweisenden Mauern und hohen Türmen aus dem sie umgebenden, miteinander verwachsenen Durcheinander von Gebäuden unterschiedlichster Epochen hervor. 
Danaks Kutsche holperte über das Kopfsteinpflaster des dem Präsidium vorgelagerten Druvernplatzes. Sie selber holperte mit ihr und spürte so weniger das eigene Zittern. Durchgerütteltwerden war gut, die Bewegung alleine; sie hätte es kaum ausgehalten, still und steif hier im Wageninneren zu hängen, während alles in ihr kochte. Nachdem sie den Auftrag mit professioneller Ruhe zu Ende gebracht und es geschafft hatte, niemanden merken zu lassen, wie ihr vor Wut und Schmerz die Knochen gingen. 
Krieg dich in den Griff! Einigermaßen zumindest. Dem neuen Milizhauptmann erst mal den Schädel einzuschlagen war sicher kein allzu guter Anfang. 
Im Schatten der den Platz säumenden Bäume sah sie ein paar Gestalten hastig ihrer Wege ziehen. Früher einmal hatte hier zu dieser Tageszeit reges Markttreiben geherrscht, und die Miliz hatte streng darüber wachen müssen, dass zwischen all den Ständen auch die vorgeschriebene Breite der Zugangsgasse zum Milizhauptquartier eingehalten wurde. Heute reichte allein der Schatten der Druvernsburg, um das Händlervolk einen weiten Bogen um den Platz machen zu lassen.
Aus dem Kutschenfenster heraus versuchte sie, einen Blick auf die Außenfront von Kylar Banátrass Amtszimmer zu erhaschen, dort in den mittleren Stockwerken des höchsten Turmes. Auffällig genug war es ja mit dem Panoramafenster, das ihr neuer Hauptmann dort hatte einbauen lassen. Sie sah kurz die bleiche Wolkendecke gespiegelt auf dem von außen undurchsichtigen Reflex-Diaphanumglas, ein Streifen von Himmel in dem alten Mauerwerk, der sich über die ganze Ecke des Turmes hinzog. Teurer Spaß. Wahrscheinlich fühlten sich die Bürger, die das alles hatten bezahlen müssen, dadurch gleich viel beschützter und sicherer. 
Dann tauchte das Gefährt auch schon in das Dunkel des von Kolonnaden gesäumten Torweges ein. Das Klappern von Hufen und Rädern in der Durchfahrt klang Sekunden lang gedrängt und hohl in den Innenraum des Wagens hinein, dann, als werde ein Korken aus einer Flasche gezogen, weitete es sich, brach sich frei. Der Wagen fuhr in den schachtartigen Schatten des Innenhofes ein.
Danak stürzte aus der Roscha und ihr Blick fiel auf ein zweites Gefährt, das im Hof abgestellt war. Ein Mann, stumm und starr, saß in einem langen schwarzen Mantel zusammengesunken auf dem Bock, so als wäre er lediglich ein Buckel des Gefährts. Die Fenster waren mit von außen dunklem Diaphanum verglast. Früher, wenn man solche Kutschen sah, wusste man, „die Kutte“ war wieder unterwegs. Heute war Rhun nicht länger Hauptstadt der idirischen Provinz Vanareum. Die Kutte, als Geheimdienst des Idirischen Reiches, war hier im Herzen Niedernaugariens in den Untergrund gegangen und die Tracht, die ihr den Namen gab, wurde in Rhun nicht länger gesehen.
Sie wandte sich von der Kutsche ab, sah kurz mit zusammengebissenen Zähnen an der Flucht schmaler Fenster hoch, stürmte dann mit forschen, ausgreifenden Schritten in das Gebäude hinein und die Treppen hinauf. Zwei Stufen auf einmal, das kalte Lodern in ihren Eingeweiden trieb sie an. Khrival war tot. Sie wollte Antworten.
Banátrass Sekretär sah sie kommen, wollte ihr den Weg verstellten, sah dann aber den Blick in ihren Augen und ließ fahrig von seinem Vorhaben ab. Als sie die Tür von Banátrass Amtszimmer öffnete, erkannte sie, dass dieser sich gerade von einem Besucher verabschiedete. Beide blickten irritiert auf. 
Die Kutsche, sie hätte es wissen müssen.
In einer Ecke regte sich etwas, hinter einem Mauervorsprung. Ihr Blick fuhr hinüber. Dort fiel ein diffuser, indirekter Schatten aus der Nische auf den Boden. Da war noch jemand anderes im Raum. Sie erspähte kurz den Saum roten Stoffes, der hinter der Mauerkante hervorlugte.
Der Besucher bei Banátrass war Kinphaure. Es hätte nicht der Gewänder bedurft - Scharlachrot und schwarz mit fremdartigen Ornamenten als Einbrennarbeiten durchsetzt, im typischen dreiteiligen ornathaften Schnitt –; das bleiche Gesicht allein, als wären die Züge aus Knochen herausgeschnitzt, das machte seine Herkunft unverkennbar. Die Nase wölbte sich wie ein Bogen zu den scharfgeschnittenen Nüstern hin, dunkle Augen, fast schwarz, durchbohrten sie ohne sichtbare emotionale Regung.
Banátrass erkannte sie; mit einem Seitenblick zuckte seine Hand hoch, stoppte sie, zwei Finger, ein Daumen nur erhoben. Danak hielt mühsam an sich. Nur der Anblick des Kinphauren ließ sie innehalten. Und der Gedanke an die Konsequenzen, wenn sie in diesem Moment ihrem Affekt nachgab.
Sie sah also zu, wie Banátrass sich in seinem pseudo-kinphaurisch geschraubten Idirisch von seinem hohen Gast verabschiedete. Gespreizten Zinnober wie man ihn wahrscheinlich in der Liturgie des Einen Weges lernte. Zusammen mit der Wendigkeit im rechten Moment die Seiten zu wechseln, wenn es Profit brachte. Hielt sie mit dieser affektierten Geste in Schach, als sei sie sein Lakai. Nach diesem Himmelfahrtskommando. Nach dem, was geschehen war.
Sie kamen schließlich zum Ende. Es gelang ihr nur mühsam ihren Atem unter Kontrolle zu halten. Der Kinphaure schritt beiläufig an ihr vorbei, streifte sie dabei fast, als sei sie gar nicht da, würdigte sie nur des allerflüchtigsten Seitenblicks. 
Etwas trat jetzt hinter dem Mauervorsprung hervor, im Einklang mit den Schritten des Kinphauren und kam hinter ihm her auf sie zu.
Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück und aus dem Weg der Gestalt. Und konnte dabei nicht den Blick von dem nehmen, was da auf sie zukam.
Wie die eiskalte Luftwalze einer Sturmfront ging dem Wesen eine Aura von Macht und Bedrohung voran. Es war hochgewachsen. Es überragte sie um mindestens zwei Kopflängen und blickte mit einer Dämonenfratze auf sie herab, deren Konturen widernatürlich scharf gezeichnet hervortraten: hartes Schwarz, bleiches Weiß. Irgendetwas an dieser Grimasse wirkte auf unerfindliche Weise wie leicht verzerrt.
Der Rest der Gestalt war eine Säule aus Rot und Silber. Sie sah Schulterpanzerung in Blutrot, weitere leichte Panzerteile in der gleichen Farbe. Entlang der Arme blitzte Stahl, wie Schienen einer Rüstung, scharfe, gefährlich aussehende Kanten. Über all das fielen Lagen roten Stoffs, vage dem Schnitt kinphaurischer Kleidung folgend – der breite Leibgurt, die weiten Hosen, nur die khaipra, das Oberteil, war stark verändert.
Es schritt auf sie zu, auf die Tür, an der sie stand, tatsächlich wie eine gewappnete Säule aus Blut und Stahl mit den Zügen einer Dämonenmaske obenauf. Sie hatte von ihnen gehört. Doch so nah hatte Danak noch nie einen von ihnen gesehen.
Ankchorai. Ein Gewappneter. 
Er blickte auf sie herab, knapp nur. Die schwarzen Haare auf dem Schädel waren kurz, struppig, unregelmäßig, wie von Ratten abgefressen, die beiden Ohren waren deformiert, eines nur ein vernarbter Stummel, das andere hing wie ein flatternder Fetzen. Das beiläufig raubtierhafte Grinsen, der Eindruck einer Sekunde, sie wusste nicht, galt es tatsächlich ihr, oder war es nur ein Effekt in dem fremdartigen Miteinander verschlungener Ornamente und Runen der auf knochenbleicher Kinphaurenhaut auftätowierten Dämonenfratze. 
Der Ankchorai musste sich tief bücken, als er durch die Tür ging; er füllte sie mit seiner bedrohlichen Masse aus.
Als ihr Blick von dem Ankchorai in den Raum zurückkehrte, fand sie Banátrass hinter seinem Schreibtisch stehend, den feinsten Hauch eines Grinsens auf seinem Gesicht. 
„Sie haben es ziemlich eilig, sich bei mir zurückzumelden.“
Und brachte sie auch gleich wieder dazu, dass das Blut in ihr hochkochte. Sie spürte, wie ihre Augen unkontrolliert zuckten.
Er stand hinter seinem Schreibtisch in ziviler Kleidung, selbstgefällig. 
Richtig, in den Farben der Miliz, nicht seines Ordens. Immerhin. Aber ohne dazugehörendes Emblem – kein Turm mit Rhunskrone. Stattdessen Pfeil und Inaimskreuz, das Abzeichen des Einen Weges. Damit nahm man nicht gerade die Herzen im Sturm, brachte nicht die Leute der Miliz dazu, einen Ordensmann des Einen Weges als Hauptmann in die Arme zu schließen. Sie mühte sich, die Muskulatur ihres Kiefers und ihrer Schultern zu entspannen.
Den Augenblick des Schweigens nutzte er. „Warum haben sie, wenn es Ihnen so dringend war, nicht Gebrauch von ihrem Orbus gemacht. Zu diesem Zweck, haben wir ihnen diese Instrumente anvertraut.“ Grinste auch noch dabei. Entweder war der Kerl eiskalt oder tatsächlich ahnungslos, in was er sie da hineingeschickt hatte. „Gewöhnen Sie sich daran, benutzen Sie das Ding. Ihnen stehen jetzt ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung. Machen Sie sich vertraut mit der neuen Zeit.“ 
Ihr Blick zuckte zu der silbern gefassten Kugel auf seinem Schreibtisch, ein Gegenstück zu der, die in einer Schatulle an ihrem Gürtel befestigt war. Kinphaurenzauber. Rar und begehrt. Er hatte dafür gesorgt, dass ihre Einheit damit ausgestattet wurde. 
Genauso wie jetzt hatte sie sich auch schon mit Vyrkanen, seinem Vorgänger gegenübergestanden, aber bei allem, was zwischen ihnen vorging, war immer klar gewesen, er war ihr Hauptmann gewesen, der Hauptmann der Miliz von Rhun. Und nicht der des Einen Weges oder von sonst jemandem. Halt an dich und fühl ihm auf den Zahn. 
„Instrumente der neuen Zeit. Tragen wir, ja.“ Bleib ruhig, sieh genau hin. „Aber es gibt Dinge, die sich immer noch nur auf die gute, alte Art erledigen lassen“, sagte sie. „Hauptmann Banátrass.“
„Und was sollten das für Dinge sein, Leutnant Kuidanak.“
„Deinem Hauptmann in die Augen schauen, um zu sehen, ob er dich verarscht hat. Ob er dich und deinen Kader im vollen Bewusstsein ins Messer hat laufen lassen.“
„Was?“ Banátrass stutzte, er fuhr zurück. War das ehrlich? War das nur gespielt? War das nur pikiert, weil sie ihn so direkt anging. Schwer zu sagen bei jemandem, an dem so viel Fassade ist. Schwer zu sagen, mit der Wut in ihrem Bauch. „Was lässt Sie das glauben, dass ich …“
„Vier Tote. Bei einem einzigen Einsatz. Einer davon aus meinem Kader.“ Khrival. Khrival …
Eine Augenbraue zuckte bei Banátrass hoch, der Gesichtsausdruck fror ein. „Das … Das tut mir leid. Was war das Problem?“
„Problem?“ Danak stieß es zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Das Problem war“ – Danak spürte, wie sie die Fäuste ballte, hielt sich gerade noch zurück, sie auf seinen feinen, aufgeräumten und polierten Arbeitstisch herabdonnern zu lassen um zu sehen, wie seine ganze penibel arrangierte und aufgestellte Menagerie hochsprang und durcheinander polterte – „das Problem war, dass wir es mit wesentlich mehr Mannstärke auf der Gegenseite zu tun hatten, als Sie uns haben glauben lassen.“ Sein Gesichtsausdruck fror noch um einige Grade stärker ein.
 „Das Problem war, dass wir es mit jemandem von anderem Kaliber zu tun hatten. Das Problem war, dass es nicht nur um Sturmarmbrüste ging, sondern um kinphaurische Armbrustbatterien. Und um noch etwas ganz anderes. Das Problem war, dass dieses Etwas uns angegriffen hat.“ Sie bemerkte, dass sie sich mit den Fäusten auf den Schreibtisch aufgestützt hatte, sich weit zu ihm hin darüberbeugte. „Das Problem war, dass dieses Etwas ein Kampfhomunkulus war. Ein Brannaik um genau zu sein. Der uns beinah den Arsch aufgerissen hat!“ Sie schrie Banátrass an, konnte und wollte sich nicht mehr zurückhalten. „Weil uns niemand auf so etwas vorbereitet hat! Der Korporal Khrival und einen weiteren Milizgardisten umgebracht hat! Das Problem war, dass fast nichts an den Informationen, die wir von Ihnen erhalten haben, tatsächlich stimmte! Vier Tote insgesamt, zwei Schwerverletzte. Etwas viele Probleme, meinen Sie nicht?!“

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